Neuer Chef – Risikofaktor für die Karriere

Wenn Sie einen neuen Chef erhalten, ist Alarmbereitschaft angezeigt. Denn der Wechsel des Chefs gehört zu den häufigsten Auslösern, die bei Führungskräften zum Verlust des Arbeitsplatzes führen. Der Beitrag erläutert, wie Sie einen Chefwechsel positiv für sich nutzen können.

Die 10 gefährlichsten Fehler

Veränderungsdruck wird unterschätzt. In Zeiten des dynamischen Wandels erscheint es für das Top-Management geradezu als Gebot, einen Wechsel im oberen Management dafür zu nutzen, Bestehendes in Frage zu stellen. Unternehmen erwarten von neuen Managern innovative Ideen, strukturelle Veränderungen und eine Überprüfung der wichtigsten Positionen. Viele altgediente Führungskräfte im mittleren Management unterschätzen diesen Veränderungsdruck und meinen, der Neue Chef solle sich gefälligst an die bestehenden Gewohnheiten anpassen. Mit dieser Haltung haben schon viele die eigene berufliche Katastrophe selbst herbei geführt. Beantworten Sie sich die folgenden 10 Fragen ehrlich und schützen Sie sich damit vor den typischen Kardinalfehlern.

Zerreden Sie die Ziele Ihres Chefs?

Sie können mit einer hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der Aufsichtsrat oder der Vorstand Ihrem Chef einen Veränderungsauftrag mit auf den Weg gegeben haben. Von dort wurden Wünsche für neue Initiativen und Strategien an ihn heran getragen, die der Vorgänger nicht mehr umsetzen konnte oder wollte.
Hören Sie Ihrem neuen Chef genau zu, wenn er über die Zukunft spricht und nehmen Sie die Gedanken auf. Wer will schon von Skeptikern und Nörglern umgeben sein? Fragen Sie gezielt nach seinen Zielen und seinen Ideen und überlegen Sie, welchen Beitrag Sie zur Realisierung seiner Ziele leisten können. Die Ziele Ihres Chefs geben den Rahmen für Ihre Aktivitäten vor.

Ignorieren Sie die Erwartungen Ihres Chefs?

Machen Sie sich bitte klar, dass Ihr neuer Chef Ihre Beurteilung erstellt und nicht umgekehrt. Ihr Chef geht bei seiner Beurteilung Ihrer Leistung von seiner Analyse der Situation aus. Sie bildet seinen inneren Maßstab. Daraus leitet er seine Erwartungen an die Zusammenarbeit ab. Es ist demnach nur klug, den neuen Chef zu fragen, worauf er Wert legt. Möchte er lieber täglich kurz und knapp über aktuelle Dinge informiert werden oder bevorzugt er ausführliche Besprechungen. Wünscht Ihr Chef detaillierte, schriftliche Vorlagen oder reicht ihm eine allgemeine mündliche Darstellung als Entscheidungsgrundlage. Auch wenn Sie die neuen Regeln nicht mögen, Sie sollten sich trotzdem daran halten. Nur so können Sie Ihre Ergebnisse und Anliegen optimal in das Bewusstsein Ihres neuen Chefs transportieren.

Unterschätzen Sie Ihren Chef?

Es gab bestimmt gute Gründe, Ihrem Chef die Leitung des Bereiches zu übertragen – auch wenn Sie diese auf den ersten Blick nicht erkennen können. Möglicherweise haben gerade solche Erfahrungen und Qualifikationen für die Personalentscheidung den Ausschlag gegeben, denen Sie nur eine untergeordnete Bedeutung zubilligen würden. Dies ist sogar sehr wahrscheinlich, wenn die oberste Führung einen Kurs- und Strategiewechsel beabsichtigt. Dann können ganz andere Qualitäten als bisher gefordert sein.
Beobachten Sie Ihren Chef und entdecken Sie seine Stärken. Es ist sinnlos, sich über seine Schwächen zu ärgern. Finden Sie sich damit ab. Suchen Sie stattdessen nach Möglichkeiten, seine Stärken für die gemeinsamen Ziele zu nutzen.

Sprechen Sie oft von der Vergangenheit?

„Das machen wir schon immer so“ ist wirklich keine überzeugende Begründung für die Beibehaltung ineffizienter Prozesse. Nutzen Sie die Gunst der Stunde. Überprüfen Sie Strukturen und Abläufe in Ihrem Verantwortungsbereich und zwischen den Abteilungen. Stellen Sie den Status quo in Frage. Es gibt nicht die optimale Struktur. Vielmehr hat jede Organisationsform ihre Vor- und Nachteile. So kann allein die Änderung der Strukturen positive Effekte hervorbringen, weil die Nachteile der alten Struktur abgestellt werden.

Gehen Sie ihm aus dem Weg?

Vielleicht möchten Sie sich am liebsten in Ihr sicheres Schneckenhaus verkriechen, wenn Ihr neuer Chef Ihnen auf die Pelle rückt. Versetzen Sie sich bitte in seine Situation. Was wird er tun? Im Idealfall stellt er Sie zur Rede. Sofern jedoch die Phantasie mit ihm durchgeht, könnte er vermuten, dass Sie etwas zu verbergen haben.
Treten Sie Ihrem Chef offen gegenüber. Sprechen Sie über Ihre Empfindungen und Erwartungen hinsichtlich der Zusammenarbeit. Nur so können Sie Missverständnisse aufklären und die Arbeitsbeziehung verbessern.

Kommentieren Sie seinen Führungsstil?

Vermutlich wird Ihr neuer Chef andere Vorstellungen von guter Führung haben als sein Vorgänger. Doch auch hier gibt es selten den einzig wahren Führungsstil. Akzeptieren Sie Ihren Chef – Sie können ihn sowieso nicht ändern. Hinter dem Rücken zu lästern und zu jammern sind Indizien für die eigene Inkompetenz. Also suchen Sie einen Weg zu einer konstruktiven Zusammenarbeit.

Lassen Sie Ihren Chef ins offene Messer laufen?

Kein Chef liebt unangenehme Überraschungen. Gerade in einem politisierten Umfeld kann es für einen Neuen sehr unübersichtlich sein. Beziehungsgefüge und Interessenlagen sind noch weitgehend undurchsichtig für ihn. Wenn Sie Ihren Chef mit einem unvollständigen Briefing, das entscheidende kulturelle und machtpolitische Aspekte ausklammert, in ein wichtiges Meeting gehen lassen, wird er Ihnen das übel nehmen. Und es wirft auch ein schlechtes Licht auf Ihre Person. Führungskräfte erwarten Loyalität von Ihren Mitarbeitern. Illoyalität und fehlendes Vertrauen führen zum schnellen Bruch der Zusammenarbeit. Versetzen Sie sich in die Situation Ihres Chefs. Geben Sie ihm alle Informationen, die er braucht, um im Haifischbecken zu überleben. Er wird es Ihnen danken.

Vertrauen Sie darauf, dass er Ihre Gedanken liest?

Nicht alles, was für Sie wie selbstverständlich ist und gewissen ungeschriebenen Regeln folgt, ist auch für Ihren neuen Chef selbstverständlich. Machen Sie Implizites explizit. Sagen Sie ihm, was Sie tun und warum. Erklären Sie ihm die Zusammenhänge und Hintergründe, damit Ihr Vorgehen für ihn plausibel und transparent wird. Nur so kann er Vertrauen in Ihre Kompetenz fassen.

Verschwenden Sie seine Zeit?

Wenn Sie mit Ihrem alten Chef über einen langen Zeitraum eine sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit hatten, haben Sie vermutlich viele Dinge mit wenigen Hinweisen abstimmen können. Beide hatten ein sicheres Gefühl für die Qualitäten des anderen. Doch jetzt müssen Sie sich diesen Vertrauensvorschuss neu erarbeiten. Ihr Chef wird sich ärgern, wenn er das Gefühl bekäme, Sie würden seine Zeit verschwenden. Darum sollten Sie in jeder Besprechung mit Ihrem Chef die wichtigsten Information zum Tagesgeschäft und zu aktuellen Projekten griffbereit haben. Überlegen Sie, welche Punkte Sie ansprechen müssen und bereiten Sie diese verständlich auf. Setzen Sie klare Prioritäten und zwar im Hinblick auf die Bedeutung für seinen Erfolg.

Liefern Sie Ergebnisse erst auf Nachfrage?

Nicht jeder Chef liebt eine enge Kontrolle seiner Mitarbeiter. Chefs tun dies jedoch, wenn sie das Gefühl haben, ihre Mitarbeiter sind unselbständig. Dann sind sie gezwungen, durch regelmäßiges Nachfragen die termingerechte Bearbeitung sicher zu stellen. Und das nervt beide Seiten. Arbeiten Sie grundsätzlich in geschlossenen Auftrag-Feedback-Kreisläufen. Liefern Sie Ergebnisse für vereinbarte Aufgaben, wenn der Termin ansteht und nicht erst, wenn Sie gefragt werden. Vermutlich werden viele der hier dargestellten Gedanken für Sie selbstverständlich sein. Doch vielleicht erzeugt auch der eine oder andere Gedanke ein gewisses Unwohlsein bei Ihnen. Dann könnte es für Sie lohnend sein, sich intensiver damit auseinander zu setzen.

Autor: Matthias Martens

März 2019 (Erstveröffentlichung Oktober 2015)
Foto: Fotolia

2019-02-25T19:59:29+02:00