16.02.2026
Interim Management ist kein Notausgang

Wenn sich Führungskräfte mit Ü50 nach vielen Jahren im Unternehmen neu orientieren müssen, taucht eine Option fast automatisch auf: Interim Management.
Interim Management ist kein Plan B als Ausweg vor der Arbeitslosigkeit
Wenn sich Führungskräfte mit Ü50 nach vielen Jahren im Unternehmen neu orientieren müssen, taucht eine Option fast automatisch auf: Interim Management. Die Idee wirkt zunächst plausibel. Projektarbeit statt Festanstellung. Attraktive Tagessätze. Ein Markt, der besonders in Transformationsphasen wächst. Für manche erscheint Interim daher als pragmatische Übergangslösung – bis sich wieder eine feste Position ergibt.
Genau hier beginnt ein Missverständnis
Interim Management ist kein Auffangbecken für Manager zwischen zwei Anstellungen. Es ist ein eigenständiger Markt mit eigenen Regeln. Die in 2025 veröffentlichte Marktstudie der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management e. V. (DDIM) zeigt die Dimension dieses Marktes: In Deutschland sind rund 12.000 Interim Manager aktiv, das Honorarvolumen liegt bei etwa 2,7 Milliarden Euro. Gleichzeitig liegt die durchschnittliche Auslastung bei rund 156 Tagen pro Jahr.
Das bedeutet: Auch in einem grundsätzlich stabilen Markt gibt es Phasen ohne Mandat. Interim Management ist deshalb kein sicherer Schutz vor Erwerbslücken.
Der zweite wichtige Punkt: Unternehmen beauftragen Interim Manager nicht wegen ihrer breiten Erfahrung – sondern wegen eines konkreten Problems. Typische Einsatzfelder sind Restrukturierung, Transformationsprojekte, Prozessoptimierung, Implementierung von IT-System oder Change Management.
Es kommt auf die Positionierung an
Wer als Interim Manager erfolgreich sein will, muss daher 3 Frage sehr präzise beantworten können:
- Welches Problem löse ich?
- In welcher Situation werde ich beauftragt?
- Welchen messbaren Mehrwert bringe ich?
Ein klassischer Lebenslauf, wie man ihn für Festanstellungen kennt, reicht dafür im Interim-Markt selten aus. Hinzu kommt der Rollenwechsel, den viele Führungskräfte unterschätzen: Interim Manager sind Unternehmer. Die DDIM-Studie zeigt deutlich, wie Mandate tatsächlich entstehen. Rund 50 Prozent der Projekte werden über spezialisierte Interim Provider vermittelt, weitere 37 Prozent über das persönliche Netzwerk. Beides setzt voraus, dass der Markt weiß, wofür jemand steht.
Als Interim Manager sind Sie Unternehmer
Provider investieren Zeit in ihre Kandidaten und wollen ihre Reputation bei ihren Kunden nicht gefährden. Sie suchen daher Persönlichkeiten, die sich bewusst für diesen Karriereweg entschieden haben – nicht Manager, die Interim lediglich als Zwischenlösung betrachten oder auf einen möglichen „Klebeeffekt“ für eine Festanstellung hoffen. Diese Haltung lässt sich heute schnell erkennen.
Wer als Interim Manager ernst genommen werden möchte, sollte auch nach außen klar positioniert sein:
- nachvollziehbare Projekterfahrung für spezifische Aufgabenstellungen,
- ein präzises LinkedIn-Profil und
- eine eigene Website als professionelle Visitenkarte.
Das gilt heute als Grundvoraussetzung und ist kein Marketinggag, sondern schlicht ein kompetenter Aussenauftritt und ein klares Marktsignal. Wer in seiner Angestellten-Mentalität verharrt und nicht bereit ist, Zeit und Geld darin zu investieren, wird auch nicht als Unternehmer wahrgenommen
Akquise und kontinuierliche Marktpräsenz
Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass Mandate selten zufällig entstehen. Erfolgreiche Interim Manager arbeiten systematisch an ihrer Marktpräsenz: Sie pflegen ihr Netzwerk, halten Kontakt zu Providern, stoßen Empfehlungen an und bleiben über längere Zeit sichtbar. Ein einfacher persönlicher Akquiseplan hilft dabei, diese Aktivitäten regelmäßig und konsequent umzusetzen. Mandate entstehen selten an einem Tag – sie entstehen aus kontinuierlicher Marktpräsenz.
All das bedeutet nicht, dass Interim Management kein attraktiver Karriereweg wäre. Im Gegenteil: Für Führungskräfte, die projektorientiert arbeiten möchten, unternehmerisch denken und ihre Erfahrung gezielt einsetzen wollen, kann Interim eine sehr erfüllende Laufbahn sein.
Die entscheidende Voraussetzung: eine bewusste Entscheidung.
Interim Management funktioniert selten als Plan B zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit. Es funktioniert dann gut, wenn jemand diesen Weg aus Überzeugung geht – mit einem klaren Leistungsversprechen und der Bereitschaft, die eigene Expertise aktiv im Markt zu positionieren.
Autor: Matthias Martens
Veröffentlichung Februar 2026
Foto: Adobe Stock
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