Konkurrenz und Teamgeist

Wie gelingt es aus einem Kreis konkurrierender Athleten ein Team zu formen, das von Jahr zu Jahr in der Weltspitze bleibt?

Eric Johannesen, Olympiasieger, Welt- und Europameister im Rudersport, hat uns im Juni in seinem Impuls-Vortrag vor mehr als 30 Hamburger Personalverantwortlichen inspirierende Hinweise gegeben.

Fünf Anregungen aus dem Spitzensport

Der Rudersport gehört in Deutschland zu den erfolgreichsten olympischen Sportarten. Im internationalen Rampenlicht steht besonders das Team „Deutschland-Achter“. Seit 2009 landete das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes auf internationalen Meisterschaften immer auf dem Podest und schrieb mit einer Siegesserie von 36 Rennen in Folge Geschichte.

Wir haben uns gefragt, was das Geheimnis dieser hohen Konstanz in der Leistungsfähigkeit ist. Wie gelingt es jedes Jahr aufs Neue aus einem zunächst konkurrierenden Kreis von 20 talentierten Ruderern einen schlagkräftigen Achter zu formen, der als Team in der Weltspitze erfolgreich besteht? Was können wir daraus für den Business-Kontext lernen?

Diese und weitere Fragen hat uns Ende Juni der Olympiasieger und mehrfache Welt- und Europameister Eric Johannesen in einem inspirierenden Impuls-Vortrag in der Speicherstadt vor mehr als 30 Hamburger Personalverantwortlichen beantwortet.

Wir haben für Sie im Folgenden die wichtigsten fünf Anregungen zusammengefasst, die Sie bei der Auswahl und Förderung Ihrer Mitarbeiter beherzigen sollten:

Entscheidungskriterien transparent machen

Sie können Vertrauen schaffen, in dem Sie die Auswahlkriterien transparent machen. Der Achter wird nach drei Kriterien besetzt: Kleinbootleistung, physische Leistungsfähigkeit und Trainereinschätzung. Eine Nichtbeachtung dieser Auswahlkriterien durch den Trainer kann im Team zu Misstrauen und Leistungseinbrüchen führen. Sorgen Sie als Führungskraft dafür, dass Ihre Mitarbeiter genau wissen, was Sie von ihnen erwarten.

Bleiben Sie konsequent

Der Trainer vom Deutschland-Achter trifft konsequente Entscheidungen. Wenn sich im Auswahlprozess auf Basis der genannten Kriterien Nachwuchsathleten gegen Stammruderer durchsetzen, dann wird den „jungen Wilden“ eine faire Chance gegeben. Achten Sie als Führungskraft darauf, dass Sie Ihre Linie auch konsequent umsetzen und gerecht bleiben.

Konkurrenz statt Anspruchsdenken

Die Ruderer im Team Deutschland-Achter müssen sich jährlich neu für das Flaggschiff qualifizieren. Ein fester Anspruch auf einen Rollsitz existiert bewusst nicht, damit sich die Einsatzbereitschaft des Einzelnen lohnt. Machen auch Sie sich dieses Prinzip zu eigen, indem Sie den individuellen Beiträgen Ihrer Mitarbeiter Aufmerksamkeit schenken und Projekte und Rollen im Team nur für bestimmte Zeiträume festlegen.

Langfristige Entwicklungsperspektiven bieten

Im Team Deutschland-Achter gilt das Prioritätsprinzip: erst der Achter, dann der Vierer und dann der Zweier. Ein Nachwuchsathlet, der es nicht direkt in den Achter schafft, findet im Vierer oder Zweier eine attraktive Entwicklungsperspektive auf dem Weg ins Flaggschiff. Überlegen Sie als Führungskraft welche Entwicklungsperspektiven es in Ihrem Team gibt und bieten Sie diese an.

Akzente setzen und Grenzen überschreiten

Im Leistungssport existiert das Prinzip der Hyperkompensation. Durch gezielte und intensive Belastungen und das bewusste in Kauf nehmen von Ermüdungs- und Erholungsphasen, wird eine insgesamt höhere Ebene der Leistungsfähigkeit erreicht. Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter regelmäßig dabei ihre eigene Komfortzone zu verlassen und Grenzen zu überwinden.

 

Autor: Hans Heydenreich

Juli 2019
Foto: Martens Outplacement

2019-09-02T16:17:10+01:00