Branchenwechsel – Chancen für Manager

Wenn Manager Ihre Position räumen müssen, denken einige auch über einen Branchenwechsel nach – ganz besonders bei einer langfristig ungünstigen Branchenperspektive. Lesen Sie hier, wie die Chancen dafür stehen und was Sie dabei berücksichtigen sollten.

Gründe für einen Branchenwechsel

Bei einer beruflichen Neuorientierung erwägen viele Manager einen Branchenwechsel. Düstere Zukunftsaussichten in der angestammten Branche und ein enger Arbeitsmarkt in der Region sind weitere häufige Ausgangspunkte für diese Überlegungen. Gerade Führungskräfte von Mitte 40 bis Anfang 50 möchten auf diese Weise der eigenen Familie einen Umzug ersparen. Die Kinder bereiten sich auf den Schulabschluss vor. Die Ehepartnerin – in der immer noch klassischen Rollenteilung – hat sich nach der Erziehungszeit beruflich wieder neu etabliert. Sehr verständlich, wenn man in dieser Phase Rücksicht auf die Familie nehmen möchte.

Branchenwechsel sind selten

In Gesprächen signalisieren mir viele Manager ihre Bereitschaft, das vertraute Branchenumfeld zu verlassen. Betrachtet man die Reaktionen der Unternehmen auf Bewerber aus anderen Branchen, ist jedoch einige Skepsis hinsichtlich der Erfolgsaussichten angebracht.

Bei ähnlich qualifizierten Kandidaten entscheiden sich Unternehmen eher für den Brancheninsider und gegen den Branchenneuling. Die fehlende Kenntnis spezifischer Marktbedingungen, technischer Anforderungen oder der praktizierten Methoden werden am häufigsten als Gründe dafür angegeben. Das gilt besonders in den unmittelbar an der Wertschöpfung beteiligten Bereichen Marketing, Vertrieb, Einkauf, Forschung und Entwicklung sowie auch in Teilen der Produktion. Das Beispiel eines Klienten verdeutlicht dieses Reaktionsmuster. Er ist Sales- und Marketing Manager in der Konsumgüterindustrie und kann beindruckende Erfolge vorweisen. In den Vorstellungsgesprächen bei mehreren Markenherstellern wurde dennoch wiederholt bezweifelt, dass er mit seinem Schwerpunkt im Geschäft mit Handelsmarken in der Lage wäre, eine Marke weiter zu entwickeln – wohl gemerkt ebenfalls in der FMCG Branche. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich die Reaktionen auf einen Manager aus der Pharmaindustrie vorzustellen.

Bei einem Branchenwechsel kommt erschwerend hinzu, dass Ihnen als Branchenneuling ein belastbares Netzwerk zu Kunden, Lieferanten und Dienstleistern fehlt. Folglich werden Sie deutlich länger für Ihre Einarbeitung benötigen, als ein Insider, der seine Kontakte mitbringt und vom ersten Tag an für seine neues Unternehmen nutzen kann.

Chancen für einen Branchenwechsel

Die besten Möglichkeiten bieten sich Ihnen in Branchen, die ähnliche Prinzipien wir Ihre angestammte Branche aufweisen oder sich im selben Sektor befinden. Für Manager aus den Stabs- und Servicefunktionen IT, Controlling, Finanzen, Personal und Facility Management ist es grundsätzlich einfacher, die Branche zu wechseln. Doch auch hier müssen Sie mit einer gewissen Zurückhaltung auf Arbeitgeberseite rechnen.

In Branchen mit einem starken Veränderungsdruck zum Beispiel durch die Digitalisierung sind die Chancen für einen Branchenwechsel deutlich besser, wenn Ihr mitgebrachtes Know-how für die Gestaltung eines Transformationsprozesses in der aktuellen Phase der Unternehmensentwicklung wichtiger ist als das operative Wissen.

Verfügen Sie über ein besonderes Prozesswissen aus einer technologisch führenden Branche, sind Sie ebenfalls interessant für Unternehmen, in die Sie Ihr Know-how gewinnbringend übertragen könnten. In der Vergangenheit galt die Automotive Industrie in vielen Feldern als führend und war wegweisend für weite Bereiche im Maschinenbau.

Risiken eines Branchenwechsels

Sie sollten bei einem Branchenwechsel sehr sorgfältig die langfristigen Perspektiven in der neuen Branche analysieren. Denn nach einigen Jahren müssen Sie bei einer Rückkehr in Ihre Ursprungsbranche ebenfalls mit Schwierigkeiten rechnen.

Der Einstieg in eine unbekannte Branche birgt auch das höhere Risiko des Scheiterns. Deshalb ist es unverzichtbar, sich im Vorfeld intensiv auf die Übernahme der neuen Position vorzubereiten. In den ersten Monaten werden neue Führungskräfte ohnehin von allen Seiten aufmerksam beobachtet. Zeigen Sie in dieser kritischen Phase fachliche Unsicherheiten, kann das zu einem Autoritätsverlust führen.

Vor diesem Hintergrund kann eine zeitlich befristete Verlagerung des Wohnortes – auch wenn diese mit gewissen familiären Erschwernissen verbunden wäre – die beruflich weniger riskante Lösung sein.

Wie begründet man einen Branchenwechsel?

Selbstverständlich müssen Sie Headhuntern und Personalleitern sehr gut erklären, warum Sie einen Branchenwechsel anstreben. Selbstverwirklichung und Interesse reichen nicht aus. Sie müssen einen Mehrwert bieten und nachvollziehbar erklären, wie Sie Ihre Kompetenzen in die neue Branche übertragen können. Ohne überzeugende Argumente wird es schwierig für Sie. Behauptungen sollten Sie durch konkrete Beispiele belegen können und damit demonstrieren, das Sie wissen wovon Sie sprechen. Es versteht sich wohl von selbst, dass der Wunsch nach einem höheren Einkommen oder einer verbesserten Work-Life-Balance keine geeigneten Begründungen sind.

Zugangswege in die neue Branche

Sollten Sie sich für einen Branchenwechsel entscheiden, stehen Ihnen grundsätzlich mehrere Wege zur Verfügung. In Stellenausschreibungen für Führungspositionen werden mindestens 3-5 Jahre einschlägige Branchenerfahrung erwartet. Im direkten Vergleich mit Ihrer Konkurrenz aus der Branche werden Sie deshalb meistens das Nachsehen haben. Die Gründe habe ich bereits erläutert.

Einige Manager vertrauen auf die Vermittlung durch einen Headhunter. Das Geschäftsmodell der Headhunter beruht jedoch in der Regel nicht auf der Vermittlung von Kandidaten sondern auf der Besetzung von mandatierten Vakanzen. Und das ist ein himmelweiter Unterschied. Ein geschäftstüchtiger Headhunter geht bei der Besetzung einer Vakanz keine unnötigen Risiken ein. Er wird bei seinem Kunden sehr viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, um Sie als Branchenneuling zu platzieren. Darüberhinaus riskiert er den Verlust seines Kunden, wenn Sie auf seine Empfehlung hin eingestellt werden und dann in der Probezeit scheitern. In diesem Worst-Case wäre der Sündenbock schnell gefunden. Sie können demnach nicht erwarten, dass sich ein Headhunter sehr für Sie einsetzen wird. Ihm kann es letztlich egal sein, welchem seiner Kandidatenvorschläge der Kunde folgt.

In den oberen Gehaltsbandbreiten beruht der Erfolg einer Initiativbewerbung auf dem begründeten Versprechen, spezifische unternehmerische Aufgabenstellungen zu lösen. Das lässt sich nur an vergleichbaren Lösungen in anderen Unternehmen überzeugend darlegen. Vermutlich wird dies einem Branchenfremden nur selten gelingen.

Die größten Erfolgsaussichten für einen Branchenwechsel bietet die Aktivierung Ihres persönlichen Netzwerkes. Mit einer Empfehlung an eine Person aus dem engeren Kreis der Entscheider überwinden Sie eher die erste Hürde und werden zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Der Grund liegt in der persönlichen Beziehung des Empfehlungsgebers zum Entscheider und dem daraus resultierenden Vertrauensvorschuss in Ihre Integrität und Führungskompetenz. Viele Unternehmen schätzen die persönliche Empfehlung, weil diese die Einstellungsentscheidung absichert.

Insofern ist es für Sie wichtig, dass Sie Ihr persönliches Netzwerk kontinuierlich ausbauen. Um Missverständnissen vorzubeugen: hierbei geht es nicht um simple Kontaktanfragen über Xing oder LinkedIn sondern um die Pflege persönlicher Beziehungen. Netzwerke basieren auf dem Prinzip des symmetrischen Geben & Nehmen. Darin sollten Sie dauerhaft investieren und nicht erst, wenn Sie Hilfe benötigen.

Autor: Matthias Martens

Januar 2019
Foto: Fotolia

2019-02-12T10:24:43+02:00