Wie Sie den Trennungsschock verarbeiten

Der Verlust des Arbeitsplatzes gehört mit zu den schmerzhaftesten Erlebnissen. Besonders hart trifft dies Manager, die sich sehr mit Ihrer Position im Unternehmen identifiziert haben. Lesen Sie hier, welche Phasen Sie durchlaufen, um die Trennung von Ihrem Arbeitgeber zu verarbeiten.

Der berufliche Umbruch verläuft in Phasen

Für Manager, die sich stark mit Ihrer Aufgabe identifizieren, ist die Fallhöhe besonders groß, wenn es zu einer unfreiwilligen Trennung kommt. Jeder Mensch reagiert individuell auf einschneidende Erlebnisse. Untersuchungen zeigen jedoch, dass  der Verlust des Arbeitsplatzes ähnliche Reaktionsmuster bei den Betroffenen erzeugt. Für die Verarbeitung der Trennung durchlaufen sie ganz charakteristische Phasen.

Erste Anzeichen für die bevorstehende Trennung

Oft erkennen viele Führungskräfte erst im Rückblick die ersten Anzeichen für die bevorstehende Veränderung. Markante Signale sind die Übernahme des Unternehmens durch einen neuen Eigentümer, ein Wechsel im Vorstand oder die Bekanntgabe einer neuen strategischen Ausrichtung. Oft spürt man dann eine gewisse innere Unruhe, die auch von Gerüchten im Umfeld verstärkt wird. Sobald Sie merken, dass sich die Situation verändert, sollten Sie Verbündete im Unternehmen suchen – sofern es dafür nicht schon zu spät ist. Auch die Reaktivierung und Erweiterung des persönlichen Netzwerkes außerhalb des Unternehmens können Sie beginnen, bevor es zur Trennung kommt.

Wer die Anzeichen richtig deutet, dass der eigene Stern zu sinken beginnt, kann das Heft des Handelns in der Hand behalten. Bleibt man jedoch passiv, kann sich über mehrere Monate hinweg eine regelrechte Existenzangst entwickeln. In dieser Konstellation wird das Trennungsgespräch fast schon als Erlösung erlebt. Die Angst weicht dann schlagartig dem Schock.

Trennungsschock

Viele Betroffene schildern, das Trennungsgespräch habe sie unter Schock gesetzt und ihnen den Boden unter den Füßen weg gezogen. Für die Bewältigung dieser existenziellen Krise erlangt man kaum jemals  Routine. Der entscheidende und erste Rat lautet: Sprechen Sie mit einem Vertrauten. Durch das Gespräch lösen sich die körperlichen Schocksymptome und Sie gewinnen Ihre Handlungsfähigkeit zurück. Mehr dazu finden Sie auch in dem Beitrag: Kündigung erhalten – was Sie als erstes tun sollten. Bei starken psychosomatischen Reaktionen sollten Sie auch einen Arzt aufsuchen.

Der anfängliche Schockzustand weicht recht bald einem Gemisch aus diffusen Ängsten und wachsendem Ärger über die als ungerecht empfundene Behandlung. Bestimmt der verständliche Wunsch nach Wiedergutmachung Ihr Denken, kann dies in eine zerstörerische Eskalationsspirale führen.

Ein Rechtsanwalt kann helfen, stattdessen eine nüchterne rechtliche Bewertung vorzunehmen und die eigenen Rechte zu wahren. Überlassen Sie die Verhandlung besser ihm. Es lohnt sich selten, das Unvermeidliche aufzuhalten. Die Gestaltung Ihrer beruflichen Zukunft ist wichtiger als die Vergangenheitsbewältigung. Für die Fortsetzung Ihrer Karriere ist es förderlich, zügig zum Abschluss kommen.

Sofern Sie nicht sofort freigestellt wurden, lassen Sie sich in den kommenden Wochen bis zu Ihrem Ausstieg nichts zu Schulden kommen. Stellen Sie Ihre Integrität unter Beweis und verhalten sich in jeder Hinsicht korrekt und loyal.

Sie sollten neben den materiellen Bedingungen auch die Kommunikation über die Hintergründe Ihres Ausscheidens mit Ihrem Arbeitgeber abstimmen. Ganz unabhängig davon, was zur unfreiwilligen Trennung geführt hat – bei jeder Geschichte gibt es immer zwei Perspektiven. Besonders nach langer Betriebszugehörigkeit gibt es schnell Mutmaßungen, über die Gründe für die Trennung. Fehlendes Wissen wird durch Phantasien ersetzt und als Gerücht verbreitet. Finden Sie deshalb eine ehrliche, selbstkritische und zugleich selbstbewusste Haltung zu Ihrem Ausscheiden. Nehmen Sie die Kommunikation selbst in die Hand – bevor es andere tun.

Neue Hoffnung keimt – der schnelle Wiedereinstieg

Manager sind es gewohnt, Problemsituationen mit eigener Aktivität zu bewältigen. Recherchieren und Kontakte knüpfen – all diese  Aktivitäten helfen dabei, das emotionale Tief zu unterdrücken. Doch überstürzen Sie nichts. Bevor Sie Ihr Netzwerk kontaktieren, sollten Sie klare Botschaften zu Ihrer Trennungsgeschichte und Ihren Zielen formulieren. Nutzen Sie dafür einen neutralen Sparringspartner, der Ihnen unverstellt Rückmeldungen gibt.

Viele Manager sind so von Ihrem Beruf eingenommen und vernachlässigen über Jahre hinweg ihre privaten Kontakte und außerberuflichen Aktivitäten. Jetzt haben Sie Zeit. Nehmen Sie Ihr Hobby wieder auf. Treffen Sie Freunde – vor allem außerhalb des beruflichen Umfeldes. Genießen Sie die Zeit mit Ihrer Familie. Treiben Sie Sport – und zwar mit Genuss und ohne Leistungsdruck.

Träume zerplatzen – es folgt die Resignation

Viele Führungskräfte führen bereits wenige Wochen nach der Trennung erste Gespräche mit Personalberatern oder Unternehmen und fühlen sich dadurch im Aufwind. Durch Ärger über den alten Arbeitgeber angestachelter Aktionismus führt jedoch selten zum Erfolg. Rückschläge sind vorprogrammiert. Lange Reaktionszeiten zehren an den Nerven, unattraktive Angebote und Absagen nähren Selbstzweifel. Das führt dazu, sich unter Wert zu verkaufen. Doch die Bereitschaft auf Einkommen zu verzichten und einen Rückschritt in der Hierarchie zu akzeptieren, wirken auf Personalberater und Arbeitgeber unglaubwürdig. Dafür braucht es eine sehr gut durchdachte Begründung. Fast immer zerplatzen die Hoffnungen auf einen schnellen Wiedereinstieg. Dann folgt die Resignation.

Es ist wichtig für Sie, die Trennungssituation gründlich aufzuarbeiten. Gelingt dies nicht, kann ein Trauma zurück bleiben. Es wird für Sie von entscheidender Bedeutung sein, die erlittene Kränkung zu verarbeiten. Machen Sie sich frei davon. Verzichten Sie auf Wiedergutmachung und lassen Sie los.

Sich selbst und die Situation akzeptieren

Vielleicht werden Sie in dieser Phase wahrnehmen, wir ruhig es um Sie geworden ist. Sie realisieren, wie viele soziale Kontakte mit Ihrer beruflichen Rolle verknüpft sind. Langfristig macht es Sie unabhängiger, die Rolle als Manager von der eigenen Person zu trennen.

Denken Sie in Ruhe über sich nach. Die Selbstreflexion und die Suche nach einer neuen Ausrichtung bieten Ihnen eine große Chance – wenn Sie ehrlich mit sich sind. In der Lebensmitte kann es sich lohnen, den eigenen Werdegang zu reflektieren. Mit einem Alter von Anfang 50 werden Sie noch 10 – 15 Jahre arbeiten. Deshalb wäre ein schlichtes „Weiter so“ eine vertane Chance. Nehmen Sie sich die Zeit dafür, die zukünftige Ausrichtung Ihrer Karriere in Ruhe zu planen.

Neuanfang

Studien zeigen, dass viele Top-Manager diese Zäsur dafür nutzen, die Prioritäten neu zu setzen. Sie verzichten auf Status und Einkommen und gewinnen im Gegenzug mehr Lebensfreude und Ausgeglichenheit. Die Empfehlungen für mehr Lebenszufriedenheit wirken fast trivial: Pflegen Sie enge Freundschaften und familiäre Bindungen. Suchen Sie sich Aufgaben, die Ihren Talenten und Fähigkeiten entsprechen. Damit gelangen Sie häufiger in einen Flow-Zustand. Werden und bleiben Sie Herr über Ihren Terminkalender, arbeiten Sie selbstbestimmt. Achten Sie auf Ihren Energiehaushalt. Dazu gehören gutes aber nicht übermäßiges Essen, ausreichend Schlaf und viel Bewegung. Engagieren Sie sich für andere. Helfen macht glücklich. Und zu guter letzt: organisieren Sie Ihre Finanzen. Welche Ausgaben sind wirklich nötig, wo könnte Verzicht neuen Spielraum eröffnen?

Die Bewältigung dieser beruflichen Umbruchphase wird Sie vermutlich noch lange Zeit prägen. Sie können daran wachsen und sich unabhängiger machen – von Ihrem Chef und von Ihrem Arbeitgeber. Das macht Sie freier und wird Sie davor schützen, noch einmal in so eine emotionale Krise zu geraten.

 

Autor: Matthias Martens, September 2018

Foto: Adobe Stock

2019-03-07T15:43:51+01:00