Wie gehen Sie mit der Wahrheit um, wenn Sie im Vorstellungsgespräch nach den Gründen für die Trennung von Ihrem Arbeitgeber gefragt werden? Lesen Sie hier, wie Sie Ihre persönliche Trennungsgeschichte kommunizieren sollten.


Trennungen gehören zum Unternehmensalltag

In vielen Köpfen dominiert noch immer das Idealbild einer schnurgeraden Aufstiegskarriere. Eine vom Arbeitgeber betriebene Trennung wird deshalb von den Betroffenen als ein persönliches Scheitern empfunden. Doch heute gehört der Austausch der Top-Führungskräfte zum Unternehmensalltag. Es ist kein persönlicher Makel mehr, wenn Sie ungewollt aus dem Unternehmen ausscheiden. Denn meistens sind die Gründe zur Trennung vom Arbeitgeber von der betroffenen Führungskraft gar nicht beeinflussbar.

 

Die häufigsten Trennungsgründe:

  • Der neue Vorstand bringt seine eigene Mannschaft mit und tauscht Teile des bisherigen Führungsteams aus
  • Aufgrund eines Strategiewechsels wird die Position überflüssig oder es werden stark veränderte Anforderungen an den Stelleninhaber gestellt
  • Nach einer Übernahme oder Fusion werden auf der Suche nach Synergien zunächst doppelt vorhandene Stellen gestrichen
  • Kostengründe oder eine Standortschließung führen zu einem strukturellen Personalabbau mit Sozialplan
  • Die Chemie zwischen den Beteiligten stimmt nicht und man trennt sich, bevor die Personen und die Organisation Schaden nehmen.

Auf mehr als 90% unserer Klienten trifft einer dieser fünf Gründe zu – das ist die Realität. Und das ist auch Ihren Gesprächspartnern bewusst. Sie lösen damit keine Verwunderung oder gar Irritationen aus. Deshalb können Sie diese Gründe auch knapp und präzise nennen.

 

Die Wahrheit in einem Satz

Vermeiden Sie unbedingt ausschweifende Begründungen. Manchmal resultiert die Trennung auch aus einem Geflecht von Gründen. Und vielleicht beinhaltet Ihre individuelle Geschichte noch einige Besonderheiten. Dennoch ist es wichtig, dass Sie auf den Punkt kommen. Reduzieren Sie Ihre Darstellung auf den Kern und lassen Sie unnötiges Beiwerk weg. Je komplizierter und langatmiger Ihre Trennungsgeschichte ist, desto mehr Zweifel wecken Sie. Bei Ihren Gesprächspartnern entsteht der Eindruck, Sie würden sich rechtfertigen. Das sollten Sie unbedingt vermeiden. Denn jede Rechtfertigung interpretiert in der Retrospektive die Situation und begründet die Richtigkeit des eigenen Verhaltens. Bringen Sie Ihre Gesprächspartner gar nicht erst auf die Idee, Sie hätten einen eigenen Anteil am Zustandekommen der Trennung.

 

Die eigene Würde wahren

Viele Manager hadern mit dem ungewollten Ausstieg. Sie waren es gewohnt, Karriereentscheidungen selbst zu treffen. Die vom Arbeitgeber betriebene Auflösung des Arbeitsvertrages zerstört das eigene Ideal und nagt am Selbstwertgefühl. Deshalb versuchen sie unbedingt den Anschein zu erwecken, es wäre die eigene Entscheidung, das Unternehmen zu verlassen. Spüren Sie dieses Bedürfnis auch? Dann lernen Sie, damit umzugehen. Ihr Arbeitgeber hat sich von Ihnen getrennt. Fertig – so einfach ist das. Akzeptieren Sie, dass Sie es diesmal nicht selbst in der Hand hatten. Sprechen Sie mit guten Freunden und Vertrauten darüber. Sie werden vermutlich sehr viel Verständnis ernten und keineswegs in deren Achtung sinken. Stehen Sie dazu.

Es gibt auch einen ganz praktischen Grund für diese Darstellung. Mit zunehmender Dauer Ihrer Suche nach einer neuen Position wird man Sie fragen, warum Sie noch keine neue Aufgabe gefunden haben. Nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses wird das für Sie unangenehm – und zwar unabhängig vom Wahrheitsgehalt Ihrer Version. Es ist auch heute noch recht ungewöhnlich, dass ein Manager aus freien Stücken und ohne Not seinen Vertrag kündigt, ohne einen Anschlussvertrag in Händen zu halten. Deshalb müssen Sie sich auf Nachfragen einstellen. Die ersten vier der oben aufgeführten fünf häufigsten Trennungsgründe entbinden Sie von jeglichem Eigenverschulden. Etwaige Nachfragen richten sich deshalb meistens auf die Umstände im Unternehmen und lassen sich elegant beantworten.

Jeder Interviewer wird auch Ihren Wunsch nachvollziehen können, nach der ungewollten Trennung eine kleine Auszeit zu nehmen und etwas Abstand zu gewinnen. Dadurch verzögert sich zwangsläufige die Suche nach einer passenden neuen Aufgabe und es entsteht eine Lücke im Lebenslauf von drei oder sechs Monaten. Das erklärt sich für einen Außenstehenden fast von selbst. Nur Sie selbst müssen über Ihren Schatten springen und sich eingestehen, dass die Trennung ungewollt war und Sie dies nicht verhindern konnten.

Autor: Matthias Martens 
Dezember 2019

Foto: Adobe Stock